Abbildung Bild- und Wertseite der Münze „125 Jahre Wuppertaler Schwebebahn“ sowie Fotografie einer fahrenden Schwebebahn
Über der Wupper zu schweben – das gehört für Wuppertaler zum Alltag. Rund zwölf Meter über der Stadt zwischen Stahlträgern und einem Fluss zu gleiten, ist für viele ein normaler Weg von A nach B. Was die Wuppertaler an ihrer Schwebebahn besonders schätzen: Sie ist unabhängig vom Straßenverkehr, zuverlässig und pünktlich. Die 13,3 Kilometer lange Strecke verbindet die Stadtteile Oberbarmen und Vohwinkel, rund zehn Kilometer der Strecke verlaufen direkt über der Wupper. Täglich werden mit der Schwebebahn rund 80.000 Menschen befördert – und in diesem Jahr feiert sie ihr 125-jähriges Jubiläum.

Vom „wahnsinnigen Unterfangen“ zur Erfolgsgeschichte

Das heutige Wuppertal war schon Ende des 19. Jahrhunderts ein bedeutender Industriestandort, damals noch bestehend aus mehreren Städten, die sich 1929/1930 vereinigten. Die Region war dicht besiedelt und stark bebaut, eine neue Verkehrslösung wurde dringend gebraucht. Da das Tal eng und nicht geeignet für eine Straßenbahn war, begann 1887 die Planung für die Hochbahn, maßgeblich beteiligt an der Entwicklung war der Kölner Eugen Langen. Was damals von Gegnern als „wahnsinniges Unterfangen“ bezeichnet wurde, nahm schon bald Gestalt an, trotz zahlreicher Bedenken: Die Bürger hatten Sorge, die Bahn würde das Stadtbild stören und die Pferdebahnbetreiber fürchteten die Konkurrenz. Trotzdem startete der Bau 1898, noch im selben Jahr fand die erste Probefahrt statt. 1901 wurde die Schwebebahn für den Publikumsverkehr freigegeben. Schnell verstummten die Kritiker: Die Infrastruktur wurde durch die Schwebebahn effizient und, wie heute bemerkbar ist, auch nachhaltig ergänzt. Eugen Langen hingegen konnte sein Werk leider nie selbst sehen, denn noch vor der Eröffnung starb er an einer Fischvergiftung.
Carl Eugen Langen,  geboren 1833 in Köln Carl Eugen Langen, geboren 1833 in Köln

Warum die Schwebebahn eigentlich gar keine Schwebebahn ist

Offiziell und technisch korrekt heißt die Bahn übrigens „Einschienige Hängebahn System Eugen Langen“. Streng genommen ist die Bezeichnung Schwebebahn nämlich falsch, da bei der Wuppertaler Bahn stets Kontakt zwischen Fahrweg und Fahrzeug besteht. Da die Wagen unter den Schienen hängen, sieht es lediglich so aus, als würde sie schweben.

Verkehr der Zukunft?

Obwohl sie also hängt, statt zu schweben, bringt die Schwebebahn viele Vorteile mit sich. Sie ist flächensparend und kann nicht im Stau stehen. Da der Verkehr in die Höhe verlagert ist, wird das Verkehrsnetz am Boden entlastet. Außerdem schafft die Bahn eine direkte Verbindung entlang der Talachse und verknüpft so Stadtteile effizient miteinander. Die Schwebebahn ist nicht nur Wahrzeichen Wuppertals, sie wurde auch zum Vorbild: So fährt in Japan beispielsweise seit 1970 die Shōnan Monorail, die als offizielle Schwester der Schwebebahn gilt. Auch andere deutsche Städte erwogen in der Folge ein Hängebahnsystem, umgesetzt wurden diese jedoch nicht. In Wuppertal wird regelmäßig investiert: Bahnhöfe und Gerüste wurden erst kürzlich aufwändig erneuert. Auch die Fahrzeuge werden regelmäßig optimiert: Mittlerweile fährt schon die 15. Generation. Die alten Waggons erfreuen sich aber weiterhin großer Beliebtheit und werden zum Beispiel als Cafés oder als „schwebendes Klassenzimmer“ weiterverwendet.

Was macht der Elefant in der Schwebebahn?

Eine berühmte Episode darf natürlich nicht unerwähnt bleiben: Wer im Juli 1950 zufällig am richtigen Ort war, konnte seinen Augen vermutlich nicht ganz trauen, als ein Elefant aus der Schwebebahn fiel. Das Elefantenbaby Tuffi sollte als Werbeaktion für einen in Wuppertal gastierenden Zirkus mit der Schwebebahn fahren. In Begleitung der Presse ging es also los. Leider gefiel Tuffi die ungewohnte Höhe nicht: Sie drückte die Tür ein und stürzte in die Wupper. Zum Glück blieb sie unversehrt. Die Geschichte hat eine interessante Pointe: Obwohl zahlreiche Fotografen und Kameraleute anwesend waren, machte niemand im entscheidenden Moment ein Foto. Das berühmte Postkartenmotiv, auf dem Tuffi im „freien Fall“ abgebildet ist, ist lediglich eine Montage.
Der Sturz des Elefanten Tuffi hat es sogar auf ein Graffiti geschafft – hier im Wohnquartier Oberbarmen-Schwarzbach (Foto: „Im Fokus“, Creative Commons Share-Alike 4.0) Der Sturz des Elefanten Tuffi hat es sogar auf ein Graffiti geschafft – hier im Wohnquartier Oberbarmen-Schwarzbach (Foto: „Im Fokus“, Creative Commons Share-Alike 4.0)
„Unsere Schwebebahn ist die Seele unserer Stadt. Sie ist unser weltweites Unikat! Sie steht für den Pioniergeist und den Mut unserer Stadtmütter und -väter“, so Miriam Scherff, Wuppertals Oberbürgermeisterin. So wie für viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler ist die Schwebebahn für sie nicht aus ihrer Heimatstadt wegzudenken.

 Zum 125. Jubiläum würdigt die 35-Euro-Silbermünze die besondere technische und verkehrsplanerische Leistung der Wuppertaler Schwebebahn. Die Gestaltung ehrt die innovative Meisterleistung und zeigt das Wahrzeichen der Stadt inklusive der Geschichte um Tuffi. Hier können Sie die Münze direkt bestellen.

Das könnte Sie auch interessieren:


Collage mit vier Münzen auf blauen Hintergrund

MEHR ALS EIN BUCHSTABE: WAS SYMBOLE UND SIGNATUREN AUF MÜNZEN WIRKLICH VERRATE

Dieser Beitrag zeigt, wie viel Geschichte und Systematik sich im Detail einer Münze verbirgt – und warum ein genauer Blick für Sammlerinnen und Sammler besonders lohnt.

Grafik mit einer 2-Euro-Sammlermünze Hamburg und Fokus auf das Münzzeichen J

MÜNZZEICHEN: DIE GEHEIMSPRACHE AUF DEUTSCHEN MÜNZEN ENTSCHLÜSSELT

Kleine Buchstaben, große Bedeutung: Münzzeichen verraten, wo eine Münze geprägt wurde. Von der Antike über Preußen bis zu heutigen Euro-Münzen zeigt sich, wie ein feines Detail wichtige Informationen bereithält.

Besuch in der Prägestätte Berlin

VOM ROHLING ZUR MÜNZE - ZU BESUCH IN DER PRÄGESTÄTTE BERLIN

Am Anfang sind es noch ein einfacher goldfarbener Metallring und ein einfacher Rohling. In der Münzprägestätte Berlin wird daraus eine ganz besondere Gedenkmünze. Wie? Das durften wir uns bei einem Besuch anschauen.

Keinen Blogbeitrag mehr verpassen!

Keinen Blogbeitrag mehr verpassen!

Spannende Geschichten, Informationen und Hintergründe rund um unsere Münzen - unser Newsletter informiert Sie auch über neue Beiträge im Blog „Erstausgabe“. Jetzt anmelden!
Zur Newsletteranmeldung