20-Euro-Goldmünze Wisent neben Porträt von Jasmin Lewis

Die 20-Euro-Goldmünze Wisent wurde von der Nachwuchskünstlerin Jasmin Lewis gestaltet. Wir sprachen mit ihr: Über Natur, Kunst – und wie es sich anfühlt, einen Wettbewerb zu gewinnen.

Frau Lewis, wie haben Sie sich 2024 gefühlt, als Sie bei unserem Nachwuchswettbewerb „Deutsche Schifffahrt“ den ersten Preis gewannen?

Das war eine wundervolle Überraschung. Der Wettbewerb erfolgte damals im Rahmen des Unterrichts an der Zeichenakademie – ich erfuhr also über die Schule vom Gewinn. Besonders freute mich, dass auch ein Mitschüler einen guten Platz belegen konnte.

Erster Platz im Nachwuchswettbewerb: Die Münze „Deutsche Schifffahrt“ von Jasmin Lewis Erster Platz im Nachwuchswettbewerb: Die Münze „Deutsche Schifffahrt“ von Jasmin Lewis

Was machen Sie eigentlich beruflich?

Nach meinem Abschluss an der Akademie habe ich begonnen, selbst als Goldschmiedin und Graveurin zu arbeiten. Doch das Thema Münzen interessiert mich schon lange, sodass ich die Motivation verspürte, an einem weiteren Wettbewerb teilzunehmen.

Und so ging Ihre Erfolgsserie weiter – ein späterer Entwurf von Ihnen wurde für die 20-Euro-Goldmünze „Wisent“ ausgewählt. Haben Sie eine besondere Beziehung zu diesem Tier oder zum Thema?

Einen direkten Bezug zum Wisent habe ich nicht. Aber ich interessiere mich schon seit meiner Kindheit sehr für Natur und Tiere und zeichne diese besonders gern. Deshalb habe ich mich sehr darüber gefreut, dass es ein „tierisches“ Motiv war — das liegt mir einfach am meisten. Landschaften finde ich zwar auch sehr ansprechend, aber Tiere machen mir beim Zeichnen und Modellieren am meisten Spaß. Indirekt hatte das Thema eine persönliche Bedeutung: Mein Großvater war sehr naturverbunden, ein Fan von Western-Nostalgie und indigener Kultur – und vom Bison begeistert. Als ich von dem Wettbewerb hörte, musste ich sofort an ihn denken. Zu diesem Zeitpunkt lebte er noch, ist aber inzwischen leider verstorben. Insofern hatte die Arbeit für mich auch etwas von einer Hommage an ihn.

Wie entsteht so ein Entwurf? Gab es einen plötzlichen Einfall oder war es eher ein längerer Prozess?

Einen konkreten Geistesblitz gab es nicht. Ich hatte zunächst nur eine ungefähre Vorstellung von der Haltung des Tiers. Mir war wichtig, den Wisent möglichst realistisch darzustellen und sowohl seine Kraft als auch seine ruhige, friedliche Ausstrahlung einzufangen. Dafür habe ich sehr viel recherchiert, zahlreiche Fotos gesammelt und Artikel gelesen. Am Ende hatte ich bestimmt rund 50 Referenzbilder. Keines davon zeigte genau die Haltung, die ich mir vorgestellt hatte. Deshalb habe ich verschiedene Vorlagen kombiniert: Körper aus einer Seitenansicht, die Beinstellung aus einem anderen Bild, den Kopf wiederum aus einer weiteren Referenz. Ich habe mir sozusagen mein eigenes Modell aus mehreren Vorlagen zusammengesetzt und immer wieder angepasst, auch digital, bis die Proportionen stimmten.

Also eine sehr analytische Vorgehensweise.

Ja, es war viel Ausprobieren. Zusätzlich habe ich Bilder gesucht, auf denen man den Muskeltonus gut erkennt, um die Details korrekt ausarbeiten zu können. Gleichzeitig musste ich bedenken, dass das Motiv auf einer Münze aus allen Blickrichtungen funktionieren muss. Deshalb habe ich die Münze ständig gedreht und mit Licht überprüft. Besonders schwierig war die Ansicht von oben oder auf dem Kopf — da wirkte das Motiv anfangs ganz anders und musste noch einmal nachgearbeitet werden.

Man erkennt in Ihrem Entwurf sowohl die Stärke als auch die Sanftmut des Tieres.

Das freut mich sehr, denn genau das war mein Ziel. Wisente sind sehr große, muskulöse Tiere und können natürlich gefährlich sein, aber im Grunde sind sie friedliche Wesen. Diese Kombination wollte ich sichtbar machen — eine gewisse Würde und Ruhe trotz ihrer enormen Kraft.

Gibt es ein Detail, das Ihnen besonders gut gelungen erscheint?

Ich bin vor allem mit dem Gesamtbild zufrieden. Ich habe sehr lange daran gearbeitet, immer wieder nachjustiert und das Modell am nächsten Tag erneut aus anderen Perspektiven betrachtet. Erst als ich aus jeder Richtung klar erkennen konnte, dass es wirklich dieses Tier ist, war ich zufrieden. Natürlich spielen Details wie Augen, Muskeln oder Fellstruktur eine wichtige Rolle, aber letztlich entscheidet die Gesamtwirkung.

Haben Sie schon immer ein Interesse an Münzen gehabt?

Ja, schon als Kind. Ich habe keine systematische Sammlung, aber ich habe besondere Münzen aufgehoben, die mir gefallen haben. Mir ist früh aufgefallen, wie unterschiedlich die Motive gestaltet sind — manche sehr schlicht, andere sehr detailreich. Diese Vielfalt fand ich immer spannend, und mit der Zeit haben sich einige Stücke angesammelt, die ich in einer kleinen Dose aufbewahre.

Wenn Sie völlig frei eine Münze gestalten dürften — welches Motiv würden Sie wählen?

Katzen wären definitiv ein naheliegendes Thema für mich, weil ich mit ihnen aufgewachsen bin und sie sehr liebe. Eine ganz andere Richtung, die mich ebenfalls fasziniert, ist das Thema Memento mori. Also die Darstellung der Vergänglichkeit, beispielsweise durch Skelette. Der Aufbau von Lebewesen, die Knochenstrukturen und der Gegensatz von Leben und Tod interessieren mich sehr. Das war auch Thema meines Abschlussstücks: ein Spiegel mit einer Skelettdarstellung auf der einen und einer jungen Frau auf der anderen Seite, ergänzt durch Blumen als Symbol für Leben und Vergänglichkeit.

Was ist das Schwierigste an der Gestaltung einer Münze?

Die Abmessungen! Man arbeitet zunächst an einem deutlich größeren Modell und kann dort viele Details einbringen. Auf der fertigen Münze sind diese später aber kaum noch sichtbar. Deshalb habe ich häufig Fotos gemacht und sie auf Münzgröße verkleinert, um zu sehen, wie das Motiv wirkt. Wenn Details das Bild zu unruhig machten oder nicht mehr erkennbar waren, musste ich sie wieder entfernen und neu ausarbeiten. Das ist ein sehr aufwendiger Prozess.

Werden Sie künftig wieder an Wettbewerben teilnehmen?

Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Dieser Wettbewerb war mein dritter offizieller, und jeder hatte ein völlig anderes Thema. Gerade diese Vielfalt finde ich spannend. Man beschäftigt sich mit Inhalten, mit denen man sich sonst vielleicht nie auseinandersetzen würde.

Vielen Dank für das Gespräch!


Am 5. Oktober 2026 erscheint die Münze „Wisent“ aus der Serie „Rückkehr der Wildtiere“. Die Serie „Rückkehr der Wildtiere“ widmet sich Tierarten, die fast ausgestorben waren, aber dank intensiver Artenschutzmaßnahmen erfolgreich zurückgekehrt sind. Dargestellt in ruhig vorwärtsschreitender Bewegung prangt Europas größtes Landsäugetier in der Mitte der Münze, scharfe Silhouettenrisse kontrastieren mit gespannt modellierten Körperflächen. Die Münze ist mit der innovativen AuVerIn-Reliefsignatur ausgestattet, mit der Sie die Echtheit der Münze jederzeit eindeutig verifizieren können. Weitere Infos zur Reliefsignatur können hier nachgelesen werden.

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